SPD Sulzbachtal

Ortsverein der Gemeinden Sulzburg u. Ballrechten-Dottingen

Flüchtlingshilfe ganz konkret

Veröffentlicht am 16.04.2022 in Aktuelles

Seit zwei Wochen wohnen V* und ihre Söhne E* (8) und D* (5) bei uns. „Uns“ sind in diesem Fall mein jüngster Sohn (17) und ich, meine beiden älteren sind mittlerweile ausgeflogen. Dadurch hatten wir Platz zuhause und als der Krieg in der Ukraine begann und klar wurde, dass sehr viele Menschen ein neues Zuhause, mindestens mal temporär, brauchen würden, war uns gleich klar: Hier wollen wir helfen.

Ein spontanes Bedürfnis, das wir wohl mit den 230.000 Menschen teilen, die in kürzester Zeit bei Unterkunft-Ukraine Betten angeboten haben. Die Hilfsbereitschaft ist riesig und das ist großartig. Man muss sich nur auch klar machen, was es tatsächlich bedeutet, jemanden bei sich aufzunehmen. Und leider gab es auch schon Berichte über Kriminelle, die die Not der Menschen nur ausnutzen wollen.

Zu unserem Hintergrund: Ich habe meine drei Jungs alleine großgezogen und war immer berufstätig. Als Unterstützung hatte ich über viele Jahre Aupairs. Oft junge Männer aus Georgien, Usbekistan oder der Ukraine, die als Teil der Familie jeweils ein Jahr bei uns gelebt haben. Insofern kennen wir das Gefühl, mit einer fremden Person den Privatbereich zu teilen, unterschiedliche Kulturen und das Kommunizieren mit Händen und Füßen. Auch 2016 haben wir während der Flüchtlingswelle einen minderjährigen Jungen aus Sierra Leone als Pflegesohn bei uns aufgenommen.

Seit Beginn des Krieges engagiere ich mich hier in Freiburg in einem Direkthilfeverein, der schon mehrmals mit Bussen an die ukrainische Grenze gefahren ist, Hilfsgüter hingebracht und Flüchtlinge mit zurückgenommen hat. Diese haben wir größtenteils in privaten Familien untergebracht. Das „Matching“,  also wer zu wem vermittelt werden kann, ist dabei eine der zentralen Aufgaben und kostet viel Zeit. Hier hilft mir meine Erfahrung als Betreuerin von Austauschschüler*innen und die Gastfamilienbesuche, die ich in dem Rahmen seit vielen Jahren mache.

Derzeit betreuen wir ca. 90 Ukrainer*innen und ihre Gastfamilie in der Nachsorge. „Meine“ Ukrainer sind nicht über einen unserer Transporte gekommen, aber der Hilferuf erreichte uns, dass sie sofort untergebracht werden müssten und so landeten sie bei mir. Dass es wunderbar funktioniert ist sicherlich auch dem Zufall oder Glück geschuldet, denn Sympathie lässt sich ja nunmal nicht erzwingen. Aber auch die Rahmenbedingungen passen. Wir leben hier auf dem Dorf, aber mit guter Busanbindung. E* geht bereits in die Grundschule und fühlt sich dort sehr liebevoll aufgenommen. Für D* klappt es hoffentlich nach Ostern mit dem Eintritt in den Kindergarten. V* kann hier ein bisschen zur Ruhe kommen, es gibt für die Jungen im Haus reichlich Spielsachen und genug Platz.

Der Alltag miteinander spielt sich immer mehr ein. Kommunizieren können wir mit ein wenig Englisch und der Hilfe von Übersetzungs-Apps oder, wenn es mal kompliziertere Themen sind, über eine Dolmetscherin, die uns ehrenamtlich hilft. Neulich ist V* das erste Mal alleine zum Einkaufen gegangen und hat die beiden Kleinen bei mir gelassen. Ich weiß noch gut, wie kostbar sich solche kurzen Zeiten des Alleinseins anfühlen können. Und bin zutiefst gerührt über dieses Vertrauen mir gegenüber.

Was zwar gut gemeint ist, aber in den meisten Fällen nicht hilft, sind Aufnahmen, die nur ein paar Tage gut gehen (können). Dann ist es sowohl für die geflüchteten Menschen als auch für die Kreise und Kommunen einfacher, wenn es von Anfang an über die offiziellen Schienen läuft und sie zentral untergebracht und verteilt werden. Um langfristig jemanden bei sich zuhause aufzunehmen, braucht es neben dem Platz sehr viel Toleranz, Verständnis und Rücksichtnahme auf beiden Seiten. Die Sprachbarriere ist nicht zu unterschätzen und auch die unterschiedlich ausgeprägte Traumatisierung der Menschen. Der Krieg mit all seinen Gräuel lässt sich nicht mehr ausblenden, wenn man im eigenen Haus die Verzweiflung miterlebt, weil der Kontakt zu den Eltern, Freunden, dem Vater der Kinder seit Tagen abgebrochen ist. Zwangsläufig kommt es einem so alles viel näher und nimmt einen auch viel mehr mit. Umso schöner, wenn man dann die Kinder einfach mal unbeschwert lachen hören darf. Und wenn es gut läuft, ist diese Erweiterung der Familie ein sehr schönes Erlebnis und eine Bereicherung auf so vielen Ebenen.

 

Homepage Dr. Birte Könnecke

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